Presseberichte: Der Lebensgrundlage beraubt.

Auch Gespräche mit Trianel in Aachen

 

Wirtschaft : „Der Lebensgrundlage beraubt"

West, 25.10.2009, Martin Krampitz

Zwei Lokalpolitiker aus Kolumbien berichten über Hintergründe der Importkohle, die auch in Uerdingen verfeuert werden soll: „Der Konzern hat sich unser gesamtes Land angeeignet".

Wenn deutscher Umweltschutz auf südamerikanische Wirklichkeit trifft: Von ihrem harten Leben mitten in El Cerrejon, der weltweit größten Steinkohlemine im Tagebau im Nordosten Kolumbiens, berichteten die Gemeindevertreter Yoe Jefferson Arregoces Ustate und Wilman Palmezano Arregoces vor rund 100 Besuchern in der Pfarrkirche St. Matthias in Hohenbudberg.

Was hat Hohenbudberg und Uerdingen mit Kolumbien zu tun? In unmittelbarer Nähe des mehr als 1000 Jahre alten Gotteshauses soll ein Kohleterminal für das geplante Kraftwerk errichtet werden. Und die Kohle, die in der Anlage verfeuert werden, kommt mitunter auch aus Kolumbien.

Seit Beginn des Cerejon-Tagebaus 1986 haben zahlreiche Menschen im direkten Umland, die bis dahin von Landbau, Viehzucht, Jagen und Fischfang lebten, ihre Dörfer und Ackerflächen verloren. Das berichteten Ustate und sein Kollege Arregoces, gewählte Vertreter der betroffenen Gemeinden Roche und Chancleta. Die beiden Kolumbianer dokumentierten ihre Aussagen mit aktuellen Bildern und Filmen aus ihrer Heimat. Die Region gleicht - mit bis zu 25 Kilometer langen Tagebaukratern und bis zu 150 Meter hohen Abraumhalden dicht an den noch bestehenden Siedlungen - einer Mondlandschaft.

Sauberes Trinkwasser sei Mangelware. Lärm und Luftverschmutzung belasten die Umwelt und die Gesundheit der Menschen. Der bei Sprengungen und Transporten aufgewirbelte Kohlenstaub führe bei vielen Kindern zu chronischen Erkrankungen der Atemwege. Eine dünne Kohleschicht, die überall liegen geblieben ist, entzündet sich in der trockenen, heißen Region an vielen Stellen. Durch die Schwelbrände entstehen Rauchschwaden, die die Luft in den Dörfern zusätzlich stark verschmutzen.

„Unsere Dörfer sind umzingelt vom Tagebau", berichtet Yoe Ustate. „Der Konzern hat sich unser gesamtes Land angeeignet. Das Unternehmen schüchterte unsere Bevölkerung massiv ein und setzte sie unter Druck, damit der Staat zwangsenteignen konnte. Unsere Leute haben unter Druck und Angst die geringen Entschädigungen akzeptiert. So hat der Konzern sein Ziel erreicht." Durch diesen Landentzug beraube die Firma die seit Jahrhunderten ansäßigen Bauern und Indianer ihrer traditionellen Lebensgrundlagen. „Unsere kleinbäuerlichen Gemeinschaften können heute nicht mehr das produzieren, was sie zum alltäglichen Überleben brauchen."

Aufnahmen zeigten, dass die verbliebenen Familien in großer Armut in einfachen Baracken leben. „Kein Einziger von uns hat einen Job in der Mine gefunden. Bei unseren Dörfern handelt es sich vor allem um afro-kolumbianische Gemeinden. Hier wohnen Nachfahren afrikanischer Sklaven. Diese Ethnien werden von der kolumbianischen Regierung nicht als Verhandlungspartner anerkannt. Daher wird nur über jedes einzelne Grundstück, nicht aber mit der Gemeinde verhandelt", berichtet Wilman Arregoces. Nur 25 von ursprünglich 150 Familien seien mit maximal 2000 Dollar für eine Umsiedlung entschädigt worden.

Falls die Einheimischen nicht einwilligen, kann ihnen passieren, was den 1200 Einwohnern des Nachbarortes Tabaco 2001 widerfuhr: Private Sicherheitsleute und lokale Behörden zwangen die Menschen, ihr Land zu verlassen. Eines Morgens wurden Strom und Wasser abgestellt, die Telefonverbindungen gekappt, Schule und Krankenstation geschlossen, der Friedhof zerstört, die Durchgangsstraße abgeriegelt und der Fluss umgeleitet. Die meisten mussten ihre Häuschen zu einem Dumpingpreis verkaufen, manche wurden gewaltsam von ihrem Grundstück vertrieben, berichteten die Kolumbianer.

Gespräche mit Trianel in Aachen

Auch Trianel hat sich mit den Lokalpolitikern aus Kolumbien getroffen. Der Firma ging es nach eigenen Angaben darum, sich aus erster Hand über ungelöste Probleme beim Steinkohle-Tagebau der Zeche El Cerrejón zu informieren.

Trianel-Projektleiter Jürgen Bewerunge sei von dem zweistündigen Gespräch und von den Schilderungen „sichtlich beeindruckt" gewesen: „Wir haben die Sorgen gehört und werden das in unserem Einfluss Stehende unternehmen, um an einer gerechten Lösung für die betroffenen Anwohner mitzuwirken", sagte Bewerunge.
Trianel werde Kontakt zu El Cerrejón aufnehmen, um sich für berechtigte Anliegen zu verwenden, sicherte er zu. Dass El Cerrejón ebenfalls an fairen Lösungen interessiert sei, zeige sich an der im Dezember 2008 unterzeichneten Übereinkunft zwischen dem Konzern und dem Komitee für die Umsiedlung Tabacos. In diesem Vertrag habe sich der kolumbianische Kohleproduzent nicht nur erstmals zu begangenem Unrecht bekannt, sondern auch angemessene Entschädigungen für die ehemaligen Bewohner des Dorfes Tabacos zugesichert.
Trianel und die beiden kolumbianischen Gemeindevertreter haben vereinbart, in Kontakt zu bleiben und sich über neue Entwicklungen auszutauschen.


www.neues-deutschland.de/artikel/160685.saubere-kohle-ist-eine-schmutzige-luege.html


08.12.2009 / Nord-Süd

»Saubere Kohle ist eine schmutzige Lüge«

Yoe Jefferson über die sozialen Kosten des Bergbaus in Kolumbien
Die Kohlemine Cerrejón im Nordosten Kolumbiens ist das weltweit größte Kohletagebaugebiet. Seit Beginn des Kohleabbaus in den 80er Jahren kämpfen die Gemeinden im direkten Umfeld der Mine gegen die Verletzung ihrer Rechte durch das Unternehmen. Mit Yoe Jefferson Arregoces Ustate, Gemeindevertreter aus dem Abbaugebiet, sprach bei seinem Deutschland besuch auf Einladung der Menschenrechtsorganisation FIAN und des Bischöflichen Hilfswerks Misereor, Anne Britt Arps für ND über die sozialen Kosten des Kohletagebaus.

ND: Was hat sich für die Gemeinden seit dem Beginn des Kohleabbaus 1986 verändert?


Jefferson: Das Leben hat sich seither drastisch verändert. Bevor das Unternehmen in die Region kam, haben die Gemeinden ein sehr gutes und gesundes Leben geführt. Es gab eine lebhafte Wirtschaft und stabile Beschäftigung, auch die gesundheitlichen Bedingungen waren besser. Die Menschen lebten vor allem von der Landwirtschaft, vom Fischfang und von der Jagd. Heute ist all das nicht mehr möglich. Das Unternehmen hat die an die Dörfer grenzenden Ländereien gekauft und gesichert, sie sind jetzt Privatbesitz. Damit ist den Menschen ihre Lebensgrundlage entzogen worden - heute ist der Zutritt zum Umland und zu den Flüssen verboten, die Menschen können sich nur noch innerhalb der Ortschaften frei bewegen.

Dazu kommt, dass laut Gesetz nicht mehr in die Gemeinden innerhalb der Kohlemine investiert werden darf, weil sie das Gebiet verlassen müssen. Von dem ohnehin schon kleinen Prozentsatz des Gewinns, den das Unternehmen an das Land und die Region abführt, kommt daher bei den von Umsiedlungen betroffenen Gemeinden überhaupt nichts an. Im Gegenteil: Aufgrund des Investitionsstopps haben sich die Lebensbedingungen dort in den letzten Jahren stetig verschlechtert. In den meisten Gemeinden gibt es keine Wasserleitungen, die Straßen sind schlecht, es gibt viel zu wenig Lehrer und keine Arbeit. Der Gesundheitszustand der Bewohner hat sich ebenfalls verschlechtert.

2001 wurde auf Antrag des Unternehmens die Gemeinde Tabaco enteignet, das Dorf wurde zerstört. Wie ist die Räumung damals abgelaufen?
Das Unternehmen kam mit den Abrissmaschinen, während die Leute noch dort waren. Sie wurden gezwungen, ihre Häuser zu verlassen, einige konnten ihre Habseligkeiten retten, anderen wurde das Haus mitsamt ihrem Hab und Gut zerstört und sie haben alles verloren. An diesem Tag hat es viele Verletzte auf Seiten der Gemeinde gegeben, weil sie sich gegen die Zerstörung ihrer Häuser gewehrt haben. Sie wurden von den staatlichen Sicherheitskräften angegriffen. Anwesend waren Polizei und Militär, staatliche Autoritäten und auch der private Wachschutz des Unternehmens.

Gab es einen Gerichtsprozess vor den Räumungen?
Ja, es hat einen juristischen Prozess gegeben. Allerdings ist der Einfluss des Unternehmens so groß, dass man davon ausgehen kann, dass sowohl das Gerichtsurteil als auch die lokalen und regionalen Behörden von ihm beeinflusst worden sind, damit sie die Enteignung bewilligen. Für uns ist es offensichtlich, dass die Räumungen gemeinsam von den Behörden und dem Unternehmen geplant wurden. Der damalige Geschäftsführer von Cerrejón, Hernán Martínez, ist inzwischen Bergbauminister.

Hat die Gemeinde Entschädigungen erhalten?
Das Unternehmen hat die Armut der Leute ausgenutzt, um die Gemeinde zu spalten. Einige Familien haben sich mit dem Unternehmen individuell auf eine Entschädigungssumme geeinigt. Ein anderer Teil der Familien befindet sich noch immer im Reklamationsprozess. Sie haben Widerspruch eingelegt, weil sie mit dem Angebot nicht einverstanden waren. Auch über die kollektiven Forderungen der Gemeinde, wie etwa Kompensationen in Form von nachhaltigen Projekten, ist noch keine Einigung erzielt worden. Insgesamt mussten bisher acht Gemeinden dem Unternehmen weichen. Sechs weiteren steht die Zwangsumsiedelung bevor. Betroffen sind schätzungsweise 500 Familien mit durchschnittlich je vier bis fünf Familienmitgliedern.

Was fordern die Gemeinden?
Wir fordern, dass die Zwangsumsiedlung so gerecht wie möglich gestaltet wird. Wir wollen, dass man uns in die Planungen einbezieht und dass es angemessene Entschädigungen gibt. Wir fordern, dass die bestmögliche Lösung gesucht wird, eine Lösung, die unsere Lebensqualität verbessert, denn wir verlieren einen gesamten Lebenszusammenhang, ein soziales Netz, eine Kultur und unser Territorium.
An welchem Punkt befinden sich die Gespräche?

Wir haben uns Gemeinde für Gemeinde zu verschiedenen Gelegenheiten mit dem Unternehmen zusammengesetzt. In den Gesprächen sitzen sich jedoch sehr ungleiche Partner gegenüber. Das Unternehmen verfügt im Gegensatz zu uns über professionelles Personal, Strategien und die entsprechenden finanziellen Mittel. In einem solchen Dialog ist absehbar, dass die Vereinbarung für die Gemeinden vollkommen unzureichend sein wird. Insofern stehen wir vor einer Konfrontation, denn es gibt keine Einigung über die Dinge.

Steinkohle-Importe nehmen hierzulande immer mehr zu - auch aus Kolumbien. Was müsste sich Ihrer Meinung nach ändern, damit Unternehmen wie Cerrejón sowie der kolumbianische Staat ihrer Verantwortung nachkommen und die Menschenrechte einhalten?

Der Kauf von Kohle müsste an Bedingungen geknüpft werden - an die Verbesserung der Unternehmenspraktiken in den Herkunftsländern, an die Einhaltung der Menschenrechte, an das Thema der sozialen Verantwortung und an Mitspracherechte der Gemeinden innerhalb der Kohleminen. Solange diese Forderungen nicht verwirklicht sind, ist der Slogan »saubere Kohle« eine schmutzige Lüge. Wir haben große Angst, dass uns bei der Rückkehr in unsere Gemeinden Repressalien drohen. Immer wenn wir uns äußern, greift das Unternehmen zu repressiven Mitteln, etwa indem es uns öffentlich stigmatisiert. In einem so gewalttätigen Kontext wie Kolumbien reicht das aus, um jemanden stark einzuschüchtern. Wir haben Angst um unser Leben.


www.trianel.com/de/pressemeldungen/details/article/30/trianel-trifft-kolumbianische.html


23.10.2009

Trianel trifft kolumbianische Kommunalpolitiker

Dorfbewohner mit Umsiedlung konfrontiert

Aachen/Krefeld/Lünen. Zwei Stunden lang haben Fachleute des Aachener Stadtwerke-Netzwerks Trianel mit Kommunalpolitikern aus Kolumbien getagt. Dabei ging es Trianel darum, sich aus erster Hand über ungelöste Probleme im Zusammenhang mit dem Steinkohle-Tagebau der Zeche El Cerrejón in Nord-Ost-Kolumbien zu informieren.

Aufgrund des internationalen Kohlemarktes ist es wahrscheinlich, dass Trianel ab 2012 für sein Kohlekraftwerk in Lünen und nach dessen Inbetriebnahme auch für das Trianel-Kohlekraftwerk Krefeld Kohle aus El Cerrejón beziehen wird. Wie im rheinischen oder brandenburgischen Tagebau auch, erfordert der Abbau der Kohle in Kolumbien die Umsiedlung von Dörfern. Dabei sind die Tagebaueigentümer nach eigener Auskunft in der Vergangenheit nicht immer nach Recht und Gesetz verfahren.

Die beiden Kommunalpolitiker Yoe Jefferson Arregoces Ustate und Wilman Palmezano Arregoces, die zwei Dörfer in der Nachbarschaft des Abbaugebietes vertreten, berichteten in der Aachener Konzernzentrale über die schwierige Auseinandersetzung um Entschädigungen, faire Umsiedlungen und die Anerkennung begangenen Unrechts. Die beiden Gemeinschaftsvertreter besuchen auf Einladung des Hilfswerks Misereor Deutschland.

Dr. Jürgen Bewerunge, Kraftwerksexperte und Projektleiter bei Trianel, war von den Schilderungen sichtlich beeindruckt: „Wir haben die Sorgen gehört und werden das in unserem Einfluss stehende unternehmen, um an einer gerechten Lösung für die betroffenen Anwohner mitzuwirken." Trianel werde Kontakt zu El Cerrejón aufnehmen, um sich für berechtigte Anliegen zu verwenden, sicherte Bewerunge zu. Das El Cerrejón ebenfalls an fairen Lösungen interessiert sei, zeige sich an der im Dezember 2008 unterzeichneten Übereinkunft zwischen dem Konzern und dem Komitee für die Umsiedlung Tabacos. In diesem Vertrag habe sich der kolumbianische Kohleproduzent nicht nur erstmals zu begangenem Unrecht bekannt, sondern auch angemessene Entschädigungen für die ehemaligen Bewohner des Dorfes Tabacos zugesichert.

Trianel und die kolumbianischen Kommunalpolitiker Yoe Jefferson Arregoces Ustate und Wilman Palmezano Arregoces vereinbarten, den Kontakt aufrecht zu erhalten, und sich zeitnah über neue Entwicklungen auszutauschen.

Ansprechpartner:
Elmar Thyen
Leiter Unternehmenskommunikation
Fon + 49 (0)241 41320-413
Mobil + 49 (0)151 1264 1787

Fax + 49 (0)241 41320-300

e.thyen@trianel.com


www.op-online.de/nachrichten/hanau/wahre-kosten-kohle-verschwiegen-500436.html

 

„Wahre Kosten der Kohle verschwiegen"

623.10.09|Hanau|
Großkrotzenburg (cs.) ‐ Die Bürgerinitiative „Stopp Staudinger" hat kritisiert, dass im Eon-Kraftwerke in Großkrotzenburg „gegenwärtig 100 Prozent Importkohle verfeuert" wird, die vor allem aus Ländern wie Südafrika, Kolumbien und Norwegen per Schiff und Schiene angeliefert wird.

Energiemultis wie Eon ignorierten dabei die inhumane Lage der Menschen in den Abbaugebieten. Nach Auffassung der Bürgerinitiative bleiben zudem „die wahren Kosten des schwarzen Goldes unberücksichtigt". Der tatsächliche Preis, den Mensch und Umwelt für diesen Brennstoff zahlen, werde verschwiegen.
„Kohle ist die schmutzigste Art der Energiegewinnung. Bei allen Wirtschaftlichkeitsberechnungen bleiben gerade die enormen Schäden für die vom Kohleabbau betroffenen Menschen wie Verlust der Gesundheit oder des angestammten Lebensraumes völlig außen vor", kritisiert BI-Sprecher Winfried Schwab-Posselt.

In Kooperation mit dem Hilfswerk „Misereor" und dem Food First-Informations- und Aktions-Netzwerk hatte die Bürgerinitiative mit Yoe Jefferson Arregoces Ustate und Wilman Palmezano Arregoces daher zwei Kolumbianer eingeladen, die im Bürgerhaus Großkrotzenburg über die Bedingungen des Kohletagebaus in ihrer Heimat berichteten. „In Kolumbien gilt es, den menschenrechtswidrigen Kohleabbau zu stoppen, bei uns gilt der Widerstand der dreckigen Energie aus Kohle und dem Bau neuer Kraftwerke", so Schwab-Posselt. Werde der Block 6 bei Staudinger Realität, würden über vier Jahrzehnte stündlich fast 400 Tonnen Kohle verbrannt.



www.main-netz.de/nachrichten/region/hanau-offenbach/hanau-offenbach/art11879,964768


23.10.2009 00:00 Uhr 0 Kommentare

Kohleabbau ruiniert Dorfbewohner

Stromerzeugung:Gäste aus Kolumbien berichten in Großkrotzenburg von Abraumhalden, Erkrankungen und Schikanen
Großkrotzenburg Kohle macht krank, arm und rechtlos. Yoe Jefferson Arregoces Ustate und Wilman Palmezano Arregoces erzählen vom Schicksal ihrer Heimatdörfer im kolumbianischen Tagebaugebiet Cerrejón.

Die Menschenrechtsorganisation FIAN und das bischöfliche Hilfswerk Misereor haben für die beiden Gemeindeoberhäupter aus La Guajiara, der nordöstlichsten Provinz Kolumbiens, eine Europa-Rundreise organisiert, mit deutschen Stationen in Köln, Frankfurt und im Ruhrgebiet - und in Großkrotzenburg, wo Yoe und Wilman am Mittwochnachmittag vor über 40 Zuhörern im Bürgerhaus sprachen. Eingeladen hatte die Bürgerinitiative Stopp Staudinger.

Ausschließlich Importkohle, laut BI-Sprecher Winfried Schwab-Posselt bis zu 400 Tonnen pro Stunde, soll im neuen Staudinger-Block verfeuert werden. In der Masse soll der Brennstoff per Schiff und Bahn aus Südafrika kommen, jedoch auch Kolumbien ist als Lieferant ins Auge gefasst. Für Wilman ist das keine Überraschung: Kolumbianische Steinkohle sei schwefelarm und weise einen hohen Brennwert auf, weiß der 50 Jahre alte Ratsvorsitzende der Gemeinde Chancleta. Wilman, ursprünglich Kleinbauer und Viehzüchter, muss sich mit solchen Dingen beschäftigen, weil er zusammen mit einigen entschlossenen Getreuen gegen die »Einkreisung« seines Heimatorts durch den Kohle-Tagebau kämpft.

Gemeinden unter Druck
Den Hintergrund erläuterte FIAN-Bergbauexperte Sebastian Röters, der die beiden Kolumbianer zusammen mit der Dolmetscherin Bettina Reis auf ihrer Tour begleitet. Nach seinen Worten begann der Kohleabbau in der Mine Cerrejón bereits in den 70er Jahren unter der Regie eines staatlichen kolumbianische Unternehmens und des US-Konzerns Exxon. Im Jahr 2000 habe ein Konsortium aus britischen, australischen und Schweizer Firmen die staatlichen Anteile übernommen und übe seit 2002 die vollständige Kontrolle aus. Seither seien die Gemeinden Chancleta, Patilla, Roche, Los Remedios und Tamaquite, die im Abbaugebiet liegen, ständig Druck und Repressalien einer Konzernmacht unter staatliche Protektion ausgesetzt.
Die verbrieften Rechte der Landbewohner, zumeist indianischer Abstammung oder, wie Yoe und Wilman, Nachkommen afrikanischer Sklaven, würden mit Füßen getreten, um deren Abwanderung zu erzwingen, so Röters. Dabei hat Kolumbien nach Worten der Linken-Landtagsabgeordneten Barbara Cardenas aus Dietzenbach schon jetzt die weltweit höchste Binnenflüchtlingsrate nach Somalia - eine Folge ständiger Gewaltexzesse diverser Guerillas und krimineller Banden, organisierten Landraubs mit staatlicher Billigung - und eben des Gebarens multinationaler Konzerne.

Wie sich das Leben in seiner Heimatgemeinde Roche anfühlt, beschrieb Yoe Jefferson Arregoces Ustate in bewegten Worten. Der 32-Jährige, dessen Familie mit rund 30 anderen in dem schon weitgehend entvölkerten Dorf inmitten von Abraumhalden und gewaltigen Erdlöchern, in einer ständig mit Kohlestaub, Sprengwolken und dem Qualm von Minenbränden geschwängerten Atmosphäre ausharrt, hat Kinder und Erwachsene an Atemwegserkrankungen sterben sehen, berichtet von ungenießbaren Feld- und Gartenfrüchten und endlosen Schikanen.
Das Minen-Sicherheitspersonals leiste sich gewalttätige Übergriffe und lasse schon mal einige der mageren Rinder aus den Dörfern verschwinden, sobald diese sich auf »Privatgelände« des Konzerns verirrten. Ein Nachbarort, die Gemeinde Tabaco, existiere bereits nicht mehr. Staatliche und private Exekutoren hätten das Dorf 2001 mit brutaler Gewalt geräumt.

Gemeinsame Interessen
Relevant aus Großkrotzenburger Sicht sind solche Vorgänge nach Meinung von Heinz Klein, Sprecher der Bürgerinitiative angesichts des Kohlemassen - »ein Eisenbahnwaggon alle fünf Minuten« - die Block 6 verschlingen werde. Die Landbewohner in Kolumbien und die Gegner des Staudinger-Ausbaus am Untermain verbänden daher »ein Stück weit gemeinsame Interessen«. kko

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